Das Foto-Setup im Onlineshop

Kannst du mal ein paar Brillen abfotografieren, ich möchte Brillen online stellen!

Nun das war der Start einer interessanten Tätigkeit bei Opticshop, indem mein Hobby berufliche Aspekte annahm! Da ich zu dieser Zeit noch kaum Kenntnisse über die digitale Fotografie hatte, begann zunächst ein intensiver Crash-Kurs über mannigfaltige Internetrecherche. Die Fragen, wie ist ein digitales Bild aufgebaut, welche Bildkomprimierung erzielt die beste Qualität, welche Speicherkapazität darf ein Bild in einem Onlineshop in Anspruch nehmen, wie schärft man das Bild am besten, welcher Schärfvorgang erzielt wie die besten Ergebnisse? Alle diese Fragen mussten vorerst für mich mal beantwortet werden.

Ich hatte mich in frühen Jahren intensiv mit konventioneller Fotografie beschäftigt und damals mittels computergesteuerten Diaprojektoren Werbeclips zusammengestellt. Die Erfahrungen, die ich dort machen durfte, halfen mir nun beim Foto-Setup bei Artikelbildern für den Online-Bereich. Bei der Kamerawahl fiel meine Entscheidung auf die Nikon D700, -eine Profikamera– sie müsste ja tausende Auslösungen mitmachen, ohne dass Verschleißerscheinungen auftreten. Ein weiterer Vorteil bei den Profikameras ist das FX-Format (3:2). Im Gegensatz zum 4:3-Format bietet das 3:2-Format beim Sonnenbrillenmotiv, die bessere Ausfüllung des Bildes.

Danach begann ich mit meinen ersten digitalen Artikelbildern. Schon bald wurde klar, dass ich nicht jedes Sonnenbrillenbild mit einem Bildbearbeitungsprogramm freistellen kann. Dass würde zu viel Zeit beanspruchen. Die Bilder von externen Agenturen bearbeiten zu lassen, sprengt definitiv jeden finanziellen Rahmen.

GFK-Körper gestützt durch Spanplatten

Fotostudio Außenansicht

Ministudio Außenansicht

Um sämtliche Spiegelungen bei verspiegelten Brillengläsern zu verhindern und eine manuelles Freistellen der Artikel zu vermeiden, musste ein extra für Brillen konstruiertes Ministudio her. Viele Fotografen raten hier zum Fotozelt. Das Öffnen und Schließen des Reißverschlusses beim Fotozelt birgt ebenfalls bei der Serienablichtung der Artikel einen enormen Zeitfaktor, den ich auszuschließen versuchte. Diese Überlegungen brachten mich zur Konstruktion einer GFK-Konsole in hellem Weiß, in Tulpenblütenform (Abb.1).

Abb.1

Ja, man kann sich einen Tulpenkelch in weiß vorstellen, der meine Artikelauflage vollständig umgibt. Das Einlegen in das Zentrum des Kelches gestaltete sich somit einfach, nämlich von oben. Die kreisrunde Ausnehmung im oberen Bereich liegt auch bei der konvexesten Brille (z.B. Oakley Radarlock-Path) außerhalb des Spiegelbereichs. Die Kamera äugelt durch ein objektivgroßes Loch an der Vorderseite, wobei die Lage der Ausnehmung so gewählt wurde, dass bei den 3 Artikelpositionen, frontal (0 Grad), perspektivisch (ca. 40 Grad) und seitlich (90 Grad), nicht in den Spiegelbereich tritt. Eine weitere Zeitersparnis brachte die in die Tulpe integrierte 45cm große Drehscheibe in Weiß. Sie dreht mir das Motiv in die drei gewünschten Positionen. Die Drehscheibe wird von außen bedient und findet bei jeder der obig erwähnten Position formschlüssige Einrastmöglichkeit (Abb. 2).

Drehscheibe zur Vereinfachung mehrerer Ansichten

Ministudio Innenansicht

Ministudio innen

Abb. 2

Jedes Bild wird somit mit gleicher Kameraposition ausgelöst. Um zusätzlich Zeit zu sparen und auch verwackelte Bilder zu vermeiden fixierte ich drei starke Fotolampen, die von oben meine Artikel über die Tulpe als Reflektor stark ausleuchten. Die Verschlusszeit von 1/50sec, bei einer Blende F22, ergab sich dadurch. Für den Weißabgleich und einige Bildverbesserungen, ohne die Bilder dabei zu schärfen, verwende ich das von Nikon entwickelte Programm Capture NX2. Dieses Programm kennt natürlich die Nikon RAW-Informationen und setzt mir alle Bilder im Stapelverfahren auf die gewünschten Einstellungen. Ein weiteres Batch-Rename-Programm vergibt mir an Hand einer Artikelnamenliste die richtigen Bilddateibezeichnungen. Erst nach der Batch-Komprimierung, kombiniert mit der Größenkorrektur, werden die Bilder geschärft, um qualitativ bessere Ergebnisse zu erzielen.

Diese Arbeitsweise, sowie der Arbeitsvorgang haben sich im Laufe der Zeit gut bewährt und eingespielt. Die gesamte Ablichtung eines Artikels nimmt derzeit einen durchschnittlichen Zeitaufwand von 22 sec/Artikel in Anspruch. Somit können wir auf neue Produktserien namhafter Markenbrillenhersteller schnell reagieren und die nagelneuen Brillenkollektionen zeitnah online stellen!